Der Ruhrkampf 1923 bis 1925: Soziale Verteidigung in Deutschland
Wir kennen heute aktive Gewaltfreiheit oder zivilen Widerstand im Einsatz für mehr Gerechtigkeit und Frieden aus vielen Bereichen – Beispiel: FridaysForFuture. Diese Streitkunst ohne Waffen wurde erst vor 100 Jahren von Gandhi in Indien entwickelt.
Der Erste Weltkrieg war kaum fünf Jahre vorbei, militärisches Denken galt als normal – da marschierten belgische und französische Truppen ins Ruhrgebiet ein, das industrielle Herzstück Deutschlands, zuerst in die Stadt Essen.
Die deutsche Regierung reagiert auf ganz neue Weise. Sie weiß: Militärischer Widerstand ist aussichtslos. Aber weder kapituliert sie, noch startet sie einen Guerillakrieg. Sie ruft vielmehr zum „passiven Widerstand“ auf. Neun Monate lang ringen die Besatzungsmächte mit diesem aktiv gewaltfreien Vorgehen und schaffen es am Ende nicht, die gewünschten Ziele zu erreichen. Aber auch die junge deutsche Demokratie zahlt einen hohen Preis: Die fortgesetzte Finanzierung der vielen Streikenden führt zu schlimmer Inflation, der „passive Widerstand“ wird beendet.
Kluge, gütekräftige Diplomatie erreicht schließlich durch Unterstützung aus England und den USA, dass die Besatzungstruppen gesichtswahrend abziehen. Im September 1925 feiert das Ruhrgebiet diesen weltgeschichtlich einmaligen Erfolg eines Kampfes ohne Waffen gegen einen militärischen Einmarsch. Genau 100 Jahre danach wurde deshalb in Essen der Tag der Gütekraft gefeiert und der erste Gütekraft-Preis verliehen, siehe Gütekraft im Ruhrkampf 1923 bis 1925 (pdf-Datei)
Kontakt: essen@wehrhaftohnewaffen.de
